Navigation

Jessup Team 2011

Erfahrungsbericht in der Zeitschrift JA

„BE UNVERSCHÄMT!“ – Erfahrungsbericht des Philip C. Jessup International Law Moot Court Teams 2011 der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg

team2011

Erlanger Jessup Moot Court Team 2010/11 überzeugt in Jena

Jena, den 20. Februar 2011: 6 Monate Völkerrecht, Englisch schreiben, lesen und sprechen in Teamarbeit sind nun vorbei! Die nationale Vorrunde des Jessup Moot Courts 2011 stellt den Abschluss einer für uns lehrreichen, außergewöhnlichen, aber auch anstrengenden Zeit dar. Als wir im September das erste Mal den zu verhandelnden Fall vor uns liegen hatten, konnten wir uns noch nicht vorstellen ein halbes Jahr später vor bedeutenden Völkerrechtlern auf Englisch die streitenden Parteien zu vertreten. Der Weg nach Jena erforderte viel Arbeit, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen und war geprägt von intensiven Diskussionen, Erfolgen, Misserfolgen und Emotionen. Am Ende des Weges erreichten wir einen hervorragenden zehnten Platz – auf den wir sehr stolz sind.

Erfahrung im Umgang sowohl mit den anderen Teammitgliedern als auch mit unseren Coaches, die Bearbeitung eines völkerrechtlichen Problems und die Fähigkeit und das Selbstbewusstsein in einer Fremdsprache zu plädieren sind wohl die wichtigsten Fertigkeiten, die wir in dieser Zeit erworben haben. Die Teilnahme am Moot Court bietet in dieser Hinsicht eine einzigartige Möglichkeit, soft-skills wie Teamfähigkeit, Zeitmanagement, rhetorische Fähigkeiten und anwaltliches Verhandlungsmanagement zu erlernen und zu vertiefen.

Spaß kam dabei aber auch nicht zu kurz. Die Ernsthaftigkeit der zu bearbeitenden völkerrechtlichen Probleme konnte die gute Laune im Moot Court-Raum nicht trüben. Nicht nur während der Arbeit fanden wir immer eine Gelegenheit gemeinsam zu lachen, sondern auch über die Grenzen des Juridicums hinaus. Über Monate hinweg Herausforderungen im Team zu meistern, schweißte uns als Arbeitskollegen und Freunde fest zusammen. Dementsprechend verbrachten wir neben der Arbeit am Moot Court auch in unserer Freizeit viele gemeinsame Stunden miteinander, was sich nur positiv auf unsere Arbeitsatmosphäre auswirkte.

Schwerpunkt der ersten Monate nach Ausgabe des Falles war die Anfertigung der Schriftsätze, die sogenannten Memorials. Da jedes Team beide Parteien vertritt, war es Aufgabe sowohl einen Schriftsatz für den Kläger, den sogenannten Applicant, als auch für den Beklagten, den sogenannten Respondent zu erstellen. Dabei half uns grundsätzlich das Handwerkszeug unseres alltäglichen Studiums, jedoch mussten wir recht schnell feststellen, dass sich anwaltliches Arbeiten deutlich von der uns vertrauten Erstellung eines Gutachtens unterscheidet. Plötzlich ging es nicht mehr darum die richtige Lösung zu finden, sondern die für die zu vertretende Partei günstigste Argumentation aufzubauen. Außerdem stellte es eine neue Herausforderung dar, sich in der Vielfalt der völkerrechtlichen Rechtsquellen zurechtzufinden und sich einen Überblick über das von Kasuistik geprägte Völkerrecht zu verschaffen.

Unterstützung bezüglich der neuen Arbeitsweisen erfuhren wir vor allem von unseren Coaches Nina Schniederjahn, Ralph Nikol, Francis Henry und Philipp Brandl. Sie hatten immer ein offenes Ohr für alle sich ergebenden Fragen, schafften es stets uns zu motivieren und unseren Ehrgeiz immer weiter zu fördern. Aufgrund ihres Engagements und ihrer Begeisterung sprang der Spirit of the Jessup schnell auf uns über. Außerdem wurden wir gerade in der mündlichen Phase der Vorbereitung lehrstuhlübergreifend gefördert, indem sich viele Mitarbeiter des Fachbereiches und ehemalige Moot Court-Teilnehmer als Judges in unseren Probepleadings zur Verfügung stellten. Last but not least war es Herr Prof. Dr. Krajewski, der uns eine erfolgreiche Teilnahme ermöglichte. Er gab uns die ganze Zeit über das Gefühl voll und ganz hinter dem Projekt zu stehen und opferte viele Lehrstuhlkapazitäten, um uns zu unterstützen. Dabei ließ er uns stets die nötige Freiheit unseren Wettbewerb ohne Druck, sondern vielmehr aus eigenem Antrieb und mit Freude zu bestreiten.

Phase zwei, nach der schriftlichen Ausarbeitung der Memorials war die mündliche Präsentation des Falls für die jeweiligen Parteien. Die Vertreter des Applicant und Respondent haben je 30 Minuten Zeit, um die Richter von ihren Argumenten zu überzeugen. Die Kunst dabei ist es, den ca. 40 Seiten langen Schriftsatz auf die wichtigsten und schlagkräftigsten Punkte zu reduzieren, damit man schließlich mit einem prägnanten Pleading vor das Richter-Panel tritt. Das Pleading ist jedoch kein einseitiger Vortrag, sondern vielmehr ein Zwiegespräch bei dem man sich den inhaltlichen und rechtlichen Fragen der Richter stellt. Um neben der inhaltlichen Sicherheit auch eine rhetorische Routine vor allem im Hinblick auf das Plädieren in einer Fremdsprache zu entwickeln, schloss sich an die Schriftsatzphase eine 6 wöchige mündliche Übungsphase an. Diese war von drei bis vier Probeverhandlungen pro Woche geprägt und endete schließlich mit der fakultätsöffentlichen Generalprobe. Diese stellte schon ein Vorgeschmack auf die entscheidenden Pleadings gegen die Teams der anderen Universitäten in Jena dar. Der eigentliche Wettbewerb in Jena vom 16.-20. Februar 2011 war für uns der krönende Abschluss einer schönen, spannenden und nicht zuletzt sehr prägenden Zeit.